Michael W. Smith: Worship










Michael W. Smith: Worship

REUNION RECORDS (2001)

 

Anbetungsmusik aus einer Ecke, aus der man es nicht unbedingt erwartet hätte: Michael W. Smith, (noch nicht ganz so alter) Altmeister der christlichen Popmusik, hat jetzt sein erstes Live-Worship Album produziert. Der Titel ist so schlicht wie der Inhalt: Worship. Nicht mehr und nicht weniger.

Denn genau das ist es. Anbetung. Und wer anderes erwartet hätte, (weil MWS in den 20 Jahren seiner bisherigen Musikerlaufbahn eben vor allem anderes geliefert hat), der kann hier einmal mehr lernen, dass die üblichen Schubladen nicht immer funktionieren. Sicher, nicht immer klingt es über- zeugend, wenn christliche Sänger Lobpreislieder covern, nur weil das jetzt grad im Trend ist. Aber bei diesem Album ist es anders: Man wird hineinge- nommen in einen Abend voll Lobpreis und Anbetung, der durch seine Ein- fachheit, aber auch seine Echtheit gewinnt.

Ein paar harte Fakten vorweg: Die Aufnahme fand am 1. Juni 2000 in der Carpenter’s Home Church in Lakeland, Florida, statt. Mit dabei waren außer einer Gemeinde von 9000 Leuten und Michael selbst einige seiner Musiker- freunde aus langen Jahren, darunter Amy Grant, Out of Eden, Cindy Morgan, Greg Long, Chris Rice, Ginny Owens, Phillips, Craig, and Dean, Erin O'Don- nell, Mark Schultz, Darwin Hobbs, Shawn Groves, Nathan Walters und Ja- son Perry von Plus One.

Anbetung zu leiten, ist keine neue Erfahrung für Michael. Er selbst sagt von sich, er sei Anbetungsleiter gewesen, lange bevor er Popstar wurde: »Ich habe Anbetung schon als Kind in Ansätzen erlebt. Später dann richtig, als ich vor 21 Jahren in meine Gemeinde in Belmont kam. Ich werde nie das er- ste Mal vergessen, als ich dort einen Gottesdienst erlebt habe. Das war un- glaublich. Es war mehr als nur einfach Lieder singen. Es war für mich das er- ste Mal, dass ich richtig »reingesprungen« bin und mich fühlte, als ob ich mit- gespült und reingewaschen wurde. Ich hatte damals wirklich den Eindruck, anzubeten im Geist und in der Wahrheit Das werde ich nie vergessen. Und ich dachte mir: Das könnte ich jetzt bis zum Ende meines Lebens weiterma- chen. Es war eine ziemlich große Erfahrung. Und seitdem war mir klar, dass Anbetung ein Teil meiner Berufung sein würde.«

Dennoch hat er auch später als Musik-Profi noch einige Lektionen dazuge- lernt: »Ich glaube es hilft mir bei der Anbetungsleituing, dass ich heute offe- ner für den Heiligen Geist bin als ich es vor 20 Jahren war. Damals hab’ ich einfach gesagt: »Hey, lasst uns mal das nächste Lied singen.« Und ich hab’ all die Lieder runtergesungen und mir nie bewusst gemacht, dass es viel- leicht mal gut wäre, zur Ruhe zu kommen und auf Gott zu hören.«

Viel Zeit, zur Ruhe zu kommen und auf Gott zu hören hat man jedenfalls, wenn man sich von dieser CD mitnehmen lässt: Nur zwei wirkliche Up-Beat Songs sind am Anfang dabei (»Forever« und »Open the eyes of my heart«), der Rest der Lieder ist eher ruhig, wechselt aber zwischen leisen Balladen (»Breathe«, »Draw me close«, »Heart of worship«) und majestätischen Hym- nen (»Awesome God«, »Let it rain«). Besonderes Highlight ist sicherlich »Ag- nus Dei«, Uralt-Hymne aus Michaels eigener Feder, hier wieder ganz neu entdeckt und so arrangiert, dass man direkt Lust bekommt, es aus der Mot- tenkiste heraus und wieder ins tägliche Programm hineinzunehmen.

Kritiker haben MWS vorgeworfen, er habe auf dieser Produktion zu wenig eigenes gesungen und zu wenig von seiner künstlerischen Brillanz hinein- gebracht. Mir persönlich ist gerade das sympathisch. Nicht dass ich etwas gegen Kunst oder Kreativität hätte, aber wenn eine musikalische Ikone wie MWS die Größe hat, unter seinen »Top 12« der Anbetung nur zwei eigene Lieder aufzunehmen, ansonsten aber bekannte (und, wie Kritiker anmerken, unspektakuläre) Hymnen in der ihm eigenen Qualität auszudrücken, dann finde ich das beeindruckend. Immerhin gibt es ja auch die alten Standards nicht im 08-15 Vineyard Sound, sondern auf ganz eigene musikalische Art, streckenweise sehr akustisch arrangiert, mit breitem Backgroundchor (was sich nicht auf die Figur der Sänger bezieht ...) und charakteristisch hervor- stechenden Violin-Solos.

Ganz ohne neue Songs geht der Hörer (und Käufer) aber auch nicht nach Hause. Mit »Purified« und »Above All« finden sich zwei neue Titel sowohl im Live-Set als auch noch einmal als Studio-Tracks auf der CD. Beides schöne Lieder, wobei vor allem »Above All« sowohl inhaltlich als auch musikalisch echte MWS-Qualität hat und das Potential hätte, sich in den Gemeinden auszubreiten wie seinerzeit »Shout to the Lord«.

Nette Zugabe: Auf einer zweiten CD finden sich weitere Songs von MWS zusammen mit von ihm aufgesprochenen Andachten zum Weiterdenken.

Anspieltips: »Open the eyes of my heart«, »Agnus Dei«, »Above All«. Audio- clips zum Reinhören unter www.michaelwsmith.com.

(Review: Guido Baltes)


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